Portraitfotografie und ihre Tücken

Ein Foto vor einer neutralen Wand – eigentlich keine grosse Sache, oder? Auch bei der Portraitfotografie gibt es so einiges zu beachten. Und es gilt; je besser die Vorbereitung, desto einfacher die Bildbearbeitung. Aber beginnen wir von vorne.

Das Briefing
Damit beim Fotoshooting alles reibungslos abläuft, ist es von Vorteil, ein Fotobriefing zu erstellen. Dieses Briefing erhält einerseits der Fotograf, andererseits die «Models». So wissen alle Beteiligten von Anfang an, um was es geht und was gefordert ist. In unserem Fall erstellen unsere Projektleiter aus dem Marketing meist die Fotobriefings, in Rücksprache mit den Fotografen.

Im Briefing wird beschrieben, wie die Bilder aussehen sollen; welcher Ausschnitt wird gewählt? Wird mit viel oder wenig Tiefenschärfe/Tiefenunschärfe gearbeitet? Welcher Hintergrund soll verwendet werden? Oder: In welcher Situation sollen die Models abgelichtet werden.

Ebenfalls wird festgelegt, wie die Models am Shooting aussehen sollten. Das heisst, es gibt «Kleidervorschriften» sowie Informationen zur Frisur und dem Makeup. Beispielsweise sollten stark karierte Hemden oder Krawatten vermieden werden. Auch Kleidung mit Marken ist nicht optimal, da ein Portraitbild möglichst neutral daherkommen soll.

Wenn möglich, aber nicht zwingend, sollten auch Beispielbilder ins Fotobriefing eingefügt werden, die in die gewünschte Richtung gehen und den Erwartungen des Kunden entsprechen.

Während dem Shooting
Ein Fotoshooting löst bei manchen Beteiligten oft Nervosität aus. Viele sind der Meinung, sie seien doch nicht fotogen und fühlen sich vor der Kamera oder bei den Blitzlichtern, gar nicht wohl.

Apropos Blitze…
Blitze sind Fluch und Segen zugleich, denn das Licht der Blitze ist sehr hart und grell. Einerseits sorgen sie für genügend Licht, gerade bei schlechten Lichtverhältnissen, andererseits «verraten» die Blitze alles; Fussel auf schwarzer Kleidung, Farbfehler, Flecken und Falten, glänzende Stellen oder Pickel auf dem Gesicht.

Diesen Dingen kann man vor dem Shooting entgegenwirken. Rote oder glänzende Hautstellen deckt man mit Puder ab – bevorzug mit transparentem Puder. Aber auch in der Nachbearbeitung lässt sich noch so einiges korrigieren. So ist die Retusche von Pickeln das «einfachste der Welt», während falsche oder schlechte Lichtverhältnisse wieder eine grössere Herausforderung darstellen.

Nervosität – es ist doch gar nicht so schlimm
Um nochmals auf die Nervosität zu sprechen zu kommen. Hier ist das Können des Fotografen gefragt. Der Fotograf oder die Fotografin müssen den Models die Scheu vor der Kamera nehmen. Hier gibt es einige ganz einfache Tricks; man lässt das Model über seine Hobbies oder übers vergangene Wochenende sprechen – man beginnt ein Gespräch. So sieht man sofort, wie sich das Model entspannt und der eine oder andere Smile dabei ist, gerade dann, wenn sie über ihre Leidenschaft sprechen.

Weitere Schwierigkeiten
Eine weitere, manchmal grosse, Herausforderung sind Portraits mit Brillenträgern. Hier kann es extrem auf die Bille und die Sehstärke ankommen, ob Spiegelungen sichtbar sind, oder nicht. Mit ganz einfachen Tricks lassen sich Spiegelungen auf den Gläsern vermeiden, es kann aber hin und wieder zu echten «Knacknüssen» kommen und man kriegt diese Spiegelung einfach nicht weg. In solchen Fällen braucht es eine intensive Bildbearbeitung.

Nach dem Shooting
Sobald ein Fotoshooting beendet ist, folgt nochmals ein grosser Teil an Arbeit. Diese Arbeit ist aber besonders spannend, da man innert Sekunden sieht, was alles verändert wurde.

Zu Beginn werden die groben und gut sichtbaren Störelemente entfernt, die Lichter, die Helligkeit und je nach dem der Kontrast korrigiert. Es ist immer von Bild zu Bild unterschiedlich, welche Handgriffe nötig sind und welche nicht. Sobald die «Grobarbeit» fertig ist, geht es an die Finessen. Hier werden beispielsweise Pickel wegretuschiert, glänzende Stellen im Gesicht und auf dem Dekolleté mit dem Kopierstempel verfeinert oder eben allfällige Spiegelungen auf der Brille entfernt.

Die Bildbearbeitung macht von allem am meisten Spass, aber das ist ganz individuell. Bei dieser Arbeit sieht man einfach am schnellsten einen Vorher-, Nachher-Effekt.

Checkliste für’s Shooting
Nachfolgend eine kleine Checkliste für Fotoshootings bzw. Portraitshootings. Diese Checkliste kann auch für andere Arten von Shootings verwendet werden.

  • Sich gut vorbereiten und Briefing lesen– gilt für Fotograf und Models
  • Location, wenn das Shooting nicht im Studio ist, sauber und aufgeräumt halten
  • Saubere Kleidung tragen, welche den «Regeln» entspricht, also zum Beispiel keine karierten Hemden, Blusen oder Krawatten
  • Spass haben und sich nicht verkrampfen
  • Nicht Nervös sein, Kameras und Blitze beissen nicht, und der Fotograf auch nicht 🙂
  • Lachen nicht vergessen
  • Verschiedene Posen ausprobieren, die «Schoggi-Seite» zeigen
  • Und nie vergessen: wir sind alle fotogen, je weniger wir uns verkrampfen, desto besser wird das Bild!

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